Interview mit Andreas Wolter, dem Vorsitzenden des Klima-Bündnis

Andreas Wolter, Klima-Bündnis-Vorsitzender und Bürgermeister von Köln hat die ICCA2019 und die Climate Neighbourhoods in Heidelberg besucht. Das Klima-Bündnis hat ihm dazu Fragen gestellt.

Klima-Bündnis: Lieber Andreas, Du warst einer von vielen prominenten Teilnehmern der großen Klimakonferenz im Mai in Heidelberg. Bist Du mit den Ergebnissen, die an die UN übermittelt werden sollen, zufrieden oder hättest Du Dir stärkere Botschaften gewünscht?

Andreas Wolter: Im Klimaschutz weltweit sind die angestrebten Ziele und gemeinsamen Beschlüsse wichtig, aber noch wichtiger ist, dass sie auch umgesetzt und eingehalten werden. Deutschland und die meisten EU-Staaten verfehlen ihre Ziele meilenweit. Hier muss sich dringend etwas ändern. Wir brauchen eine CO2-Bepreisung, ein Ende der Kohlekraft und eine stringente Förderung bei der Gebäudesanierung und Energiespeicherung.

KB: Die ICCA hat das Zusammenwirken der drei Ebenen Städte, Regionen und Regierungen beim Klimaschutz betont und dabei ihr Augenmerk auf die lokalen Potenziale gelegt. Ist das gelungen?

AW: Auch hier ist es wichtig, dass die Kommunen von ihren nationalen Regierungen unterstützt werden: Städte und Gemeinden alleine haben wenig Möglichkeiten den ausufernden Autoverkehr umweltfreundlicher zu gestalten und zu reduzieren. Und beim Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs brauchen die Kommunen finanzielle Unterstützung.
Städte und Gemeinden sind bereit viel für die Energiewende zu leisten; wir brauchen aber die Unterstützung und Kofinanzierung von den Ländern, dem Bund und der EU. Dies gilt insbesondere für die energetische Sanierung im Mietwohnungsbau. Hier müssen Mietpreiserhöhungen durch finanzielle Förderungen des Bundes und durch Änderungen der gesetzlichen Grundlagen deutlich abgemildert werden.
Das ist auch der Hintergrund, warum immer mehr Städte den Klimanotstand ausgerufen.

KB: Die Climate Neighbourhoods und der Youth Climate Summit haben weitere Akteure und Akteurinnen wie junge Menschen und die Bevölkerung mit einbezogen. Jugendliche demonstrieren auch schon seit Monaten im Rahmen der Fridays for Future-Bewegung für mehr Klimaschutz. Warum sind junge Menschen so engagiert und wozu brauchen wir die Bevölkerung beim Klimaschutz?

AW: Die Auswirkungen des Klimawandels sind zwar bereits heute zu spüren – hier bei uns und leider auch in vielen ärmeren Ländern – aber die negativen Folgen werden immer stärkere Wirkung entfalten. Jungen Menschen werden unter Umständen durch den steigenden Meeresspiegel mit unbewohnbaren Städten konfrontiert oder mit Nahrungsmittelknappheit wegen ausbleibenden Regens und steigender Temperaturen.
Wir brauchen auch die Bevölkerung, damit der Klimawandel weniger drastisch verläuft. Denn alle können etwas tun: So zum Beispiel Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen beziehen, Autofahrten durch Rad und ÖPNV ersetzen sowie den Fleisch- und Käsekonsum stark verringern. Zum Gelingen der Energie- und Klimawende brauchen wir eine Kultur des Klimaschutzes in der gesamten Bevölkerung.

KB: Vielen Dank für das Gespräch.